Richard Reischl, Bürgermeister der Gemeinde Hebertshausen im Landkreis Dachau berichtet über die Gründe sich bereits seit einem Jahr für die Errichtung eines Gesundheitszentrums einzusetzen. Derzeit sucht die Kommune zwei Allgemeinmediziner/-innen.

Herr Reischl, wie lange arbeiten Sie und die Gemeinde Hebertshausen bereits am Projekt eines Gesundheitszentrums?

Die Gemeinde Hebertshausen beschäftigt sich seit einem Jahr sehr intensiv mit der Errichtung eines Gesundheitszentrums.

 

Wann war Ihnen bewusst als Gemeinde selbst aktiv werden zu müssen?

Als wir im April 2018 vor die vollendeten Tatsachen gestellt wurden, dass unsere Apotheke nach über 28 Jahren schließen wird und als unser Allgemeinarzt im Ort angekündigt hat, dass er Alters bedingt zum Ende des Jahres seinen Ruhestand antreten will, war klar, dass wir tätig werden müssen. Das Problem ist nämlich, dass die Grundversorgung der Gemeinde gefährdet und das Ziel der Gemeinde war es eigentlich die Grundversorgung auszubauen und sie nicht gänzlich verlieren zu wollen.

Was können Sie vor dem Hintergrund des allgemeinen  Hausärztemangels anders machen?

Ich glaube wir als Gemeinden müssen bereit sein, da wir ja immer gerne in Schubladen denken, neue Wege zu gehen und kreativer zu denken. Lösungsansätze die vielleicht vor vielen Jahren noch undenkbar waren in Erwägung zu ziehen und die ärztliche Versorgung als klassische Pflichtaufgabe der Gemeinde anzuerkennen.

Wie reagieren die niedergelassenen Ärzte auf das Engagement Ihrer Gemeinde?

Bisher sehr positiv. Ich möchte sogar sagen äußerst positiv. Ich glaube der Hauptgrund liegt daran, dass in der Gemeinde ein seriöser Geschäfts- und Gesprächspartner gesehen wird hinter dem nicht ein Investor steckt, bei dem man nie weiß, ob er nur maximale Gewinnabsichten hat bzw. was er tatsächlich erreichen will? Die Gemeinde stellt eigentlich nichts anderes dar als eine breite Schicht der Bevölkerung mit 5.600 Bürgerinnen und Bürgern für die wir eine medizinische Versorgung aufrechterhalten wollen.

Was bieten Sie Nachfolgeärzten und weiteren Ärzten? Warum ist es für Ärzte besonders attraktiv sich in Hebertshausen niederzulassen?

Weil wir versuchen sehr aktiv die Ärzte unterstützen zu können. Es beginnt bei der Wohnungs- oder Bauplatzsuche, die wir natürlich vermitteln können. Wir können unterstützend tätig sein bei der Findung von Betreuungsplätzen für die Kinder junger Nachwuchsärzte. Es geht weiter, dass wir sogar in Erwägung ziehen die Räumlichkeiten selbst zu erwerben oder zu kaufen, um sie dann an den Arzt weiter vermieten zu können. Auch wiederum mit der Absicht, dass wir als Gemeinde nicht auf Gewinne abzielen, sondern dass wir versuchen möglichst lange eine Arzt sichern zu können. Außerdem glaube ich muss man auch erwähnen, dass Hebertshausen aufgrund seiner Gegebenheiten sehr attraktiv ist. Wir liegen sehr nah am Tor zur Landeshauptstadt München, wir sind trotzdem geprägt von großen Natur- und Erholungsflächen, wir besitzen wichtige Anbindungen, wie Autobahnen und Flughafen in unmittelbarer Nähe. Wir verfügen über einen eigenen S-Bahn Anschluss und ich glaube im Verbund mit dem Landkreis können wir alles aufweisen was man benötigt für ein gutes und anständiges Leben.

Sehen Sie das Gesundheitszentrum Hebertshausen als Leuchtturmprojekt für den Landkreis und darüber hinaus?

Ich sehe es als eine gute Möglichkeit, dass andere Gemeinden sich daran ein Beispiel nehmen könnten und zukünftig über Zentren nachdenken werden. Ich glaube, dass man die ärztliche Versorgung nicht mehr als klassische Aufgabe eines Dritten ansehen darf, sondern dass die Gemeinden erkennen müssen, dass es eine Pflichtaufgabe wird dafür zu sorgen.

Wie war die Resonanz unter Ihren Kollegen, gab es viel Zuspruch und ggf. auch Interesse an einer interkommunalen Zusammenarbeit?

Es gab schon sehr viele interessante Nachfragen zu diesem Thema weil man natürlich im Kollegenkreis immer wieder darüber spricht. Eines ist allerdings feststellbar, momentan scheitert die interkommunale Zusammenarbeit immer noch an den alten Zöpfen die vorhanden sind. Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass bisher die Bürgerinnen und Bürger gewohnt waren, dass wenn ich von einem Arzt spreche er sich unmittelbar im Ort befindet. In der heutigen Zeit kann es aber sein, dass man einen Ort weiterfahren muss um diesen Arzt aufsuchen zu können. Ich glaube aber am Ende des Tages ist nicht die Entfernung von Wichtigkeit, sondern immer die Qualität. Und wenn ich dafür in einem Zentrum eine höhere Arztdichte und Qualität aufweisen kann, dann ist glaube ich jeder bereit gerne mal ein paar Kilometer weiterfahren zu müssen.

Was würden Sie anderen Kommunen hinsichtlich eines aktiven Engagements im Bereich der medizinischen Versorgung empfehlen?

Ich glaube wir müssen damit beginnen alte Argumente gegen ein Engagement im ärztlichen Bereich aus Sicht der Gemeinde hinter uns zu lassen. Zukünftig sind auch Anstrengungen notwendig und vorstellbar, zum Beispiel, dass eine Gemeinde auch mal eine Arztpraxis selber betreibt und einen Arzt anstellt, was es früher glaube ich so noch gar nicht gab.

Herr Reischl, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben.

 

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